Was ist Mantrailing?

Der Begriff Mantrailing stammt aus dem Englischen und setzt sich aus „man“ (Mensch) und „trail“ (Spur) zusammen. Er bezeichnet die gezielte Suche nach einer bestimmten Person anhand ihrer individuellen Geruchsspur. Beim Mantrailing wird der Hund darauf trainiert, dieser Spur zu folgen und die Person zu finden, unabhängig davon, ob sie sich urbanem Gebiet oder im Wald befindet.

Die Geschichte des Mantrailings als eigenständige Disziplin beginnt im 19. Jahrhundert; wobei das Verfolgen von Spuren schon lange vorher für die Jagd genutzt wurde. In den USA wurden vor allem Bloodhounds eingesetzt, um entlaufene Sklaven oder Flüchtige aufzuspüren. In Europa entwickelte sich das Mantrailing ab dem 20. Jahrhundert weiter, als man begann, Hunde gezielt auf die Individualsuche zu trainieren. Diese Spezialisierung machte sie zu wertvollen Helfern bei der Polizei, in der Forensik oder in der Rettungshundearbeit – z.B. bei der Aufklärung von Verbrechen oder der Suche nach vermissten Menschen.

Wie funktioniert Mantrailing?

Jeder Mensch besitzt einen einzigartigen geruchlichen „Fingerabdruck“, der durch Hautschuppen, Schweiß, Hormone und die individuelle Bakterienflora entsteht. Zu Beginn der Suche bekommt der Hund deshalb einen sogenannten Referenzgeruch der gesuchten Person, beispielsweise von einem Kleidungsstück oder einem Alltagsgegenstand. Mit diesem Geruch als Orientierungspunkt filtert er die individuelle Spur aus der Vielzahl anderer Umweltgerüche heraus. Dabei kann er dank seines feinen Geruchssinns sogar die zeitliche Veränderung der Spur wahrnehmen – er unterscheidet zwischen frischen und älteren Geruchsmarkern – und folgt der Spur so über unterschiedliche Zeiträume hinweg.

Damit knüpft das Mantrailen direkt an das natürliche Verhaltensrepertoire des Hundes an. Diese Form der Nasenarbeit stellt für sie daher nicht nur eine Aufgabe dar, sondern wirkt als intrinsische Belohnung: Das intensive auseinandersetzen mit Geruch und Verfolgen einer Spur aktiviert körpereigene Belohnungssysteme und verschafft dem Hund Erfolgserlebnisse. Beim Mantrailen kann er also seine angeborenen Fähigkeiten ausleben, wird mental gefordert und erlebt tiefe Zufriedenheit – weshalb diese Beschäftigung als besonders artgerecht und erfüllend gilt.

Welche Ziele gibt es?

Heute findet Mantrailing in vielen Bereichen Anwendung. Rettungshunde-Teams setzen die Methode erfolgreich ein, um verschwundene Personen – z.B. aus einem Pflegewohnheim – wieder zu finden. Auch in der Tiersuche wird Mantrailing als richtungsweisendes Hilfsmittel genutzt, um entlaufene Haustiere zurück nach Hause zu bringen.
Neben dem professionellen Einsatz hat sich das Mantrailing zudem als sinnvolle Freizeitbeschäftigung etabliert. Immer mehr Hundebesitzer entdecken die Arbeit an der Spur als artgerechte Beschäftigung, die den Hund geistig fordert und gleichzeitig die Bindung zum Menschen stärkt. Im Gegensatz zu vielen anderen Hundesportarten steht hier die Kooperation zwischen Mensch und Hund im Vordergrund, denn nur gemeinsam kann das Ziel erreicht werden.
So verbindet Mantrailing die natürliche Veranlagung der Hunde und die moderne Ausbildung zu einer faszinierenden Form der Suchhundearbeit.